Was meinen Sie, was benötigen Führungskräfte, damit ihr Führungshandeln wirksam wird? Sind Führungskompetenzen ausschlaggebend, also das Wissen und die Fähigkeiten? Oder ist die innere Haltung der entscheidende Faktor für den Erfolg?

Dieser Frage begegne ich im Netz und in der Literatur immer wieder, und in meiner Wahrnehmung wird zurzeit vor allem die Bedeutung der Haltung in den Vordergrund geschoben. Vermutlich aufgrund der Auswirkungen von vielfach negativ empfundenem Führungsverhalten.

Führung zwischen Haltung und Können

Nach meiner Meinung reicht weder das eine noch das andere für sich alleine aus: Führungskräfte sind keine wirksamen Führungskräfte nur deshalb, weil sie eine menschenfreundliche Haltung einnehmen. Denn dann wissen sie immer noch nicht, wie sie Führungssituationen meistern können.

    Hier ein paar Beispiele von Führungssituationen aus der Praxis:

    • Wie werden die ersten 100 Tage auf einer neuen Führungsposition bewältigt?
    • Wie wird die Zusammenarbeit im Team gefördert?
    • Wie werden Projekte umgesetzt?
    • Wie werden strategische Ziele entwickelt?
    • Wie werden Veränderungsprozesse initiiert und begleitet?

Diese Tätigkeiten gelingen nicht aufgrund einer guten inneren Haltung. Dafür benötigen Führungskräfte einen Handwerkskasten aus Wissen, Kompetenzen und Erfahrungen.

Kompetenzen sind nicht ausreichend

Führungskräfte sind ebenfalls keine wirksamen Menschenführer, wenn sie über viele Kompetenzen verfügen, diese aber nicht auf einer soliden inneren Haltung gegründet sind.

    Wiederum ein paar Beispiele aus der Führungspraxis:

    • Konfliktsituationen: Wie sensibel sind Sie selbst gegenüber Konflikten?
    • Führungsrolle: Wie reagieren Sie auf die Erwartungen der verschiedenen Akteure?
    • Fehler: Welche Bedeutung geben Fehlern?
    • Veränderungsprozesse: Wie ernst nehmen Sie die Emotionen der Mitarbeitenden?
    • Beteiligungskultur: Wie binden Sie die Mitarbeitenden in Entscheidungs- und Umsetzungsprozesse ein?

In solchen Fragestellungen ist die Einstellung, die Sie sich und anderen gegenüber ausdrücken, von großer Bedeutung. Es ist die Art und Weise, die Qualität, die Atmosphäre, wie Sie an die Situationen herantreten – wie gelassen, wie partnerschaftlich oder wie offen, die die Wirksamkeit Ihres Handelns begünstigt.

Wie hängen Können, Wollen und Dürfen mit Haltung zusammen?

Stellen wir uns Führung als Dreieck von Können, Wollen und Dürfen vor. In untenstehender Grafik sehen Sie, was den drei Dimensionen jeweils zugeordnet werden kann: Die Ecke „Können“ stellt die Kompetenzen dar, die Ecke „Dürfen“ den Handlungsspielraum, die Ecke „Wollen“ die Motivation.
Das, was die Mitte bildet und dem Dreieck die Stabilität gibt, ist die innere Haltung.
 

Dreieck von Können, Wollen und Dürfen
 
Vielen Führungskräften ist die Bedeutung der Haltung und die Auswirkung unter anderem auf das Können nicht bewusst. Viele versuchen, lediglich ihre Kompetenzen zu erweitern, wie zum Beispiel durch den Ausbau von methodischen Kompetenzen in Gesprächsrhetorik. Oder sie bemühen sich, den Erfolg der Führungstätigkeiten über ein funktionales Zeitmanagement und andere technische Tools herbeizuführen.

Die innere Haltung bildet jedoch den zentralen Mittelpunkt für alles, was mit Führung zu tun hat.

Weshalb sollten Sie mit Fragen über die eigene Person beginnen?

An der Haltung zu arbeiten würde bedeuten, vor einer Führungsübernahme oder in bestimmten Zeitabschnitten beziehungsweise in krisenhaften Situationen inne zu halten und sich zu fragen: Wer bin ich? Wofür stehe ich? Was ist mir wichtig? Was motiviert mich? Wo möchte ich hin?

Denn die persönlichen Überzeugungen und das Bild, das Sie als Führungskraft von sich selbst haben, prägen Ihr Führungsverhalten, und dieses wiederum beeinflusst die Mitarbeitenden.
Selbsterkenntnis hilft an dieser Stelle, das eigene Verhalten und damit die anderen Menschen besser zu verstehen: Wie begegne ich dem Gesprächspartner? Habe ich ein echtes Interesse? Mit welcher Haltung begegne ich den Mitarbeitenden?

Diese Reflexion führt zu einer Haltung, die notwendig ist, damit Sie als Führungskraft mit den Anforderungen des Führungsalltags gut jonglieren können.

    Diese Haltung bildet die Basis…

    • für souveräne Führung,
    • für Standfestigkeit,
    • für Motivation und Begeisterung,
    • für jegliche Kommunikation,
    • für Respekt und Wertschätzung den Menschen gegenüber,
    • für Verständnis und Akzeptanz,
    • für Augenhöhe.

Haltung UND Können sind wichtig!

Mein Fazit:

  • Können ist wichtig: Ohne Kompetenzen geht es nicht beim Bewältigen von Führungssituationen; ansonsten ist Scheitern vorprogrammiert.
  • Aber ohne Haltung geht es auch nicht: Ohne Haltung gelingt keine Menschenführung. Führung wird blutleer!

Erst auf einer reflektierten Haltungs-Grundlage entfalten Ihre Führungskompetenzen das volle Potenzial. Diese Haltung dient als Landkarte, von der aus Sie stimmig und erfolgreich handeln können: im Wollen, Dürfen und Können.
 
Und nun sind Sie dran!

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Herzlichen Dank!
 
 

Barbara Simonsen

Barbara Simonsen, MBA, ist Inhaberin von Simonsen Management mit den Schwerpunkten Führung und Karriere.
Sie unterstützt Führungskräfte, rasch handlungsfähig zu werden und schwierige Führungssituation kompetent zu meistern - besonders in den ersten 100 Tagen als neuer Chef.
Unternehmen hilft sie beim Onboarding neuer Führungskräfte, beim Talent und Development Management.
Zudem steht sie Führungskräften als Karriereexpertin zur Seite, den Karriereweg stimmig zu entwickeln.
Als Autorin hat sie „Die ersten 100 Tage als Führungskraft“ im managerSeminare Verlag als Blended Learning-Trainingskonzept veröffentlicht.