Was hat „Wertschätzung für Solo-Unternehmer“ mit „Balanced Scorecard“ zu tun, werden Sie sich fragen.
Zu Wertschätzung kommen Ihnen jede Menge Bilder in den Sinn. Aber eine Balanced Scorecard, auch BSC abgekürzt oder „ausgewogener Berichtsbogen“ genannt, was ist das? Und wie kann eine BSC den Wert von Einzelunternehmer steigern?

Mit diesem Blogartikel möchte ich Ihnen das Konzept der Balanced Scorecard vorstellen und zur Blogparade von Monika BirknerMehr Wertschätzung für Solo-Unternehmer!“ beitragen.

Um was geht es bei der Balanced Scorecard?
Auch wenn das Modell BSC seit den 90er Jahren in der Privatwirtschaft und zunehmend im öffentlichen Sektor als Instrument der strategischen Steuerung von großen Unternehmen eingesetzt wird, ist es bei kleineren Einrichtungen oder Organisationen nicht verbreitet.
Der Nutzen der BSC liegt darin, dass die Unternehmensvision und die Strategie in konkrete Ziele, Messgrößen und Maßnahmen übersetzt werden können. Das heißt, wenn die unternehmerische Vision und die Ziele bekannt sind, können alle Entscheidungen und Projekte des Unternehmens oder der einzelnen Führungskräfte konsequent danach ausgerichtet werden.
Dabei betrachtet man das Unternehmen in der Regel mit Hilfe von vier Feldern – auch Perspektiven genannt: Finanzen, Kunden, Prozesse, Entwicklung

Die vier Perspektiven der Balanced Scorecard - BSC

In allen Feldern wird nach den Zielen, den Maßnahmen, den Messgrößen gefragt.

Das Konzept hat den Vorteil, dass es sich flexibel an die jeweiligen Gegebenheiten eines Unternehmens anpassen lässt, zum Beispiel auch an die Bedürfnisse einer Not-for-Profit-Organisation.
Weitere Veränderungen können vorgenommen werden – sei es im Anwendungsbereich, sei es inhaltlich oder sei es durch Begriffänderungen, wie ich es nachstehend aufzeige.

Wie kann die BSC von Einzelunternehmern genutzt werden?
Für Einzelunternehmer verläuft der Weg zum geschäftlichen Erfolg – zu ihrem Wert – selten geradlinig. Oft vollzieht sich das Business Hand-in-Hand mit der persönlichen Entwicklung, wie Monika Birkner schon auf den ersten Seiten Ihres neu aufgelegten Buches „Erfolgreich als SOLO-Unternehmer“ treffend schreibt.
Ohne jetzt den Blick auf das innere Geschehen zu richten – wohl wissend, dass dies unerlässlich ist, muss das Wachstum des Einzel-Business gleichermaßen über einen „äußeren“ Weg angeregt werden und wichtige Impulse für die weitere Entwicklung setzen.

Wie ich oben dargestellt habe, mag Ihnen die Balanced Scorecard auf den ersten Blick als ein eher mechanisches Instrument mit technischer Umsetzung daherkommen. Gerade, wenn Sie selbständiger Dienstleister, Coach und Trainer sind, werden Sie sich von den abstrakten Begriffen nicht angesprochen fühlen.

Wie müsste deshalb eine Brücke zur BSC aussehen, damit Sie als Einzelunternehmer das Instrument aktiv nutzen würden?

Der von Monika Birkner auffordernde Satz „Mehr Wertschätzung für Solo-Unternehmer!“ hat mich angeregt, die darin enthaltenen vier zentralen Begriffe herauszuschälen:
Wert – Schatz – Solo – Unternehmer

Diese Begriffe präsentieren sich mir als die vier Perspektiven, um die es in jedem Business geht und die auch in der Balanced Scorecard abgebildet werden.
In der Grafik sehen Sie, wie ich sie der BSC zugeordnet habe. Gleichzeitig habe ich die Themen, um die es in den verschiedenen Feldern geht, dem Einzelunternehmertum angepasst.

BSC für Einzelunternehmer

Sie sehen, Ihr Schatz – Ihre Ressourcen und Potenziale – bilden die Basis und sind direkt – von der untersten Perspektive bis zur nächst höheren – ausschlaggebend für die Organisationsform und die internen und externen Abläufe. Auch als Solo-Unternehmer haben Sie die Möglichkeit, Kooperationen einzugehen. Wichtig ist hier das Kriterium, mit den Prozessen die Kundenziele zu verbessern. Den Wert für Ihre Kundenangebote können Sie nach der W.E.R.T.- Formel (siehe Monika Birkner) steigern. Damit schaffen Sie die Grundlage für die sogenannt oberste Stufe, den ökonomischen Wert.
Finden Sie durch diese Begriffe und Inhalte einen besseren Zugang zur Balanced Scorecard und mögen Sie sogar damit experimentieren?

Wie gehen Sie systematisch vor, eine BSC zu erstellen?
Wie die großen Unternehmen müssen Sie sich als Einzelunternehmer zu Beginn über die bedeutungsvollen Ziele klar werden. Was ist Ihre Vision, Ihre Mission? Was ist Ihnen wichtig? Wohin soll sich Ihr Geschäft entwickeln? Wollen Sie wachsen oder sich eventuell zurückziehen? Welche Ressourcen, Fähigkeiten und Stärken bringen Sie mit? Und welche Chancen und Risiken sehen Sie im geschäftlichen Umfeld? (Kapitel drei und vier von Monika Birkner’s Buch geben Ihnen wertvolle Hinweise zu diesen Themen.)

Im Folgenden geht’s an die Umsetzungsplanung mit Hilfe der Balanced Scorecard-Systematik.
Nachstehende Fragestellungen können Sie in den vier verschiedenen Perspektiven unterstützen, Ziele und Aktivitäten herzuleiten:

  • Unternehmer/Finanzen
    Welche finanziellen Ziele haben Sie konkret? Welchen Umsatz oder Gewinn streben Sie an? Wie steigern Sie Ihr ökonomisches Wachstum? Was ist die gewünschte Auslastung? Wie senken Sie Ihren Aufwand und erreichen doch mehr?
    Rechnen Sie verschiedene Szenarien durch, mit welchem Dienstleistungen und Produkten bei welchem – realistischen – zeitlichen Einsatz Sie das Ziel erreichen könnten. Überlegen Sie sich, wie Sie zum Beispiel Ihre Entscheidungen, den zeitlichen Aufwand zu senken, umsetzen wollen, möglicherweise mit neuen Angeboten, Programmen und einem Mix an Leistungen. Oder mit dem Einsatz einer neuen Software, um eine gewisse Standardisierung zu realisieren.
  • Wert/Kunden
    Welche Ziele müssen Sie für Ihre Kunden erfüllen, damit Sie Ihre großen Ziele – seien sie materiell oder immateriell – erreichen? Wie gelangen Sie zu einem hohen Marktanteil, mit welchen Wunschkunden, mit welchen Angeboten? Welches sind die besonderen Wertangebote, die Ihre Einzigartigkeit ausmacht? Womit gewinnen Sie Neukunden, in welchen Regionen, Branchen? Mit welchen weiterführenden Angeboten bleiben Sie mit Ihren Kunden langfristig verbunden? Wie gestalten Sie die Kundenbeziehungen?(Siehe hierzu Kapitel 5 in Monika Birkner’s Buch)
  • Solo/Prozesse
    Wie müssen Sie sich organisieren und Ihre Abläufe planen, damit Sie den Kundenangeboten – aber auch sich selbst – gerecht werden? Welche organisatorische Infrastruktur verhilft Ihnen zu einem reibungslosen Berufsalltag? Welche Netzwerkpartner, welche Kooperationen benötigen Sie, um beste Ergebnisse für ihre Kunden zu erreichen? Welche Marketingmaßnahmen sind notwendig? Wie kommunizieren Sie nach außen? Wozu und wie wollen Sie Social Media einsetzen?
  • Schatz/Entwicklungsperspektive
    Wie können Sie Ihr Potenzial weiter entwickeln, um bestmöglich die Ziele der Prozesse und damit der Kunden zu erreichen? Wie steigern Sie Ihre Motivation und Ihre Energie? Wie entwickeln Sie sich persönlich? Was wollen Sie lernen?

Zum einen bietet Ihnen die Balanced Scorecard ein Gerüst, bei dem Sie die Ziele von „oben“– von den ökonomischen Werten her – nach „unten“ ableiten und zum anderen können Sie die Auswirkungen von „unten“ – von der Basis her – nachverfolgen. Sie können in allen Perspektiven festlegen, was Sie konkret erreichen wollen und an welchen Zahlen oder Kriterien Sie die Ergebnisse überprüfen möchten. So lässt sich die Entwicklung nachvollziehen und besser lenken.

Die BSC lässt sich stets flexibel an Ihre Bedürfnisse anpassen: begrifflich wie inhaltlich. Auch die Hierarchie der Perspektiven können Sie verändern, indem zum Beispiel die Kundenperspektive an oberster Stelle geführt wird, wenn es eher Ihrem Unternehmen entspricht.

Die Balanced Scorecard ist meines Erachtens nicht nur ein Tool für große Unternehmen, um strategische Pläne umzusetzen. Auch als Solo-Unternehmer müssen Sie strategisch vorgehen. In diesem Sinn können Sie die BSC nutzen, Ihre Wachstumsvorhaben in Gang zu setzen. Das Modell verhilft Ihnen zu einer gesamtheitlichen Orientierung und fokussiert gleichzeitig den Blick auf die einzelnen Dimensionen des Geschäftes.
Mit Hilfe der Balanced Scorecard lassen sich persönliche Schätze, Kundenwerte und der ökonomische Wert des Business planen und umsetzen – also WERT-SCHÄTZUNG-für-SOLO-UNTERNEHMER erreichen!

Literaturhinweis:
Birkner, M. (2013), Erfolgreich als SOLO-Unternehmer. Wachstumsstrategien für Selbständige, Walhalla Verlag
 
 

Barbara Simonsen

Barbara Simonsen, MBA, ist Inhaberin von Simonsen Management mit den Schwerpunkten Führung und Karriere.
Sie unterstützt Führungskräfte, rasch handlungsfähig zu werden - insbesondere auf neuen Führungspositionen - und schwierige Führungssituation kompetent und fair zu meistern.
Zudem hilft sie als Karriereexpertin, den Karriereweg bzw. den Übergang des Karriereausstiegs stimmig zu gestalten.
Unternehmen steht sie als Moderatorin für Business-Großgruppen zur Seite - z.B. bei Changeprozessen oder zur Konfliktlösung.
Als Autorin hat sie „Die ersten 100 Tage als Führungskraft“ im managerSeminare Verlag als Blended Learning-Trainingskonzept veröffentlicht.