Die Blogparade mit dem Hashtag #jetztentscheideich von den BUSINESS LADYS / Ute Blindert fordert heraus! Drei Worte – eigentlich ein Satz – sind als Schlagwort zusammengefasst: jetzt_entscheide_ich

Wie ist der Satz wohl gemeint? Denn je nachdem, wie ich die Worte betone, stehen unterschiedliche Aspekte im Fokus. Drei Variationen kann ich lesen:
Entscheidungen brauchen Zeit

      A) JETZT entscheide ich.
      B) Jetzt ENTSCHEIDE ich.
      C) Jetzt entscheide ICH.

Bei jeder Lesart geht es um Entscheidungen: Bei der ersten erhält der Zeitpunkt des Entscheidens die Aufmerksamkeit, bei der Version B) der Entscheidungsprozess selbst und bei der letzten Variante steht das Subjekt der Entscheidung im Fokus. Schauen wir uns dies mal genauer an!

JETZT entscheide ich

Mal angenommen Sie beschäftigen sich schon seit Langem mit dem Gedanken, sich von Ihrer jetzt sicheren Stelle zu trennen, um sich in ein neues Berufsfeld zu begeben. Die Gedankengänge kreisen ständig um die Frage: Was soll ich tun? Soll ich bleiben oder soll ich mich neu orientieren? – Jetzt möchten Sie diese angespannte Situation, diese Zerrissenheit, diese ambivalenten Gefühle endlich beenden. Sie möchten eine abschließende Entscheidung fällen. JETZT soll es sein – nicht morgen.
Gleichzeitig spüren Sie noch mehr Stress dadurch, dass Sie sich einen Zeitpunkt für das Fällen eines Entschlusses gegeben haben. Eigentlich ist keine der bisher überlegten Entscheidungsoptionen stimmig.

Meine Tipps

    • Nehmen Sie sich ausreichend Zeit für Ihren Entscheidungsprozess. Klar, manchmal müssen Sie sich ganz rasch und intuitiv entscheiden – zum Beispiel bei normalen Alltagsentscheidungen. Aber bei Problemstellungen, die eine größere Tragweite und Auswirkung haben, muss der Entscheidungsprozess so lange reifen, bis die Lösung stimmig ist. Das heißt, es kann relativ lange dauern, bis der Entschluss fest steht.
    • Manchmal wird von außen ein Stichtag benannt, bis zu dem eine Entscheidung getroffen werden muss. Dann hilft nur ganz strukturiertes Vorgehen, um die Sache aus dem Kopf zu bekommen und in kurzer Zeit zu einem Entschluss zu gelangen: aufschreiben, aufschreiben, aufschreiben – z.B. auf Post it’s als Mindmap. Auch mit anderen Menschen über die einzelnen Aspekte zu sprechen, ist sehr hilfreich, um in einer begrenzten Zeitspanne zu einer nachhaltigeren und akzeptierten Entscheidung zu finden.
    • Seien Sie mutig und lassen Sie sich nicht zu vorschnellen Entscheidungen drängen, denn dann würden Sie meist rein intuitiv entscheiden. Reflexartige Intuition alleine ist aber ein schlechter Ratgeber: Nehmen Sie die Geschwindigkeit aus Entscheidungsprozessen und dem Treffen von Entscheidungen raus, wenn immer es geht. Ich erlebte in meiner Zeit als Führungskraft eine Vorgesetzte – eine Vorständin einer großen Organisation, die oft anmerkte: „Darüber muss ich erst nachdenken. Ich gebe Ihnen meine Entscheidung bekannt, sobald ich mir darüber schlüssig geworden bin.“
    • Als sehr hilfreich erweist es sich auch, mindestens einmal oder sogar mehrere Male über einem Problem zu schlafen. Geben Sie Ihrem Unterbewussten ganz bewusst vor dem Einschlafen einen kleinen Auftrag, nämlich Lösungen zu einem bestimmten Problem zu suchen. Achten Sie am nächsten Morgen auf Ihre Impulse, die als Gedanken auftauchen und Ihnen mögliche Hinweise für eine Lösungsentscheidung geben.
    • Versuchen Sie, Spannungen, Ambivalenzen, Unstimmigkeiten und Ähnliches mehr auszuhalten. Der Prozess des Findens einer klugen Entscheidung hat es oft an sich, nicht eindeutig zu verlaufen. Stärken Sie deshalb lieber Ihre Ambiguitätstoleranz und lassen Sie unangenehme Gefühle zu. Diese müssen nicht sofort „wegorganisiert“ werden. Beobachten und Wahrnehmen der Emotionen und Gedanken reichen schon aus, um nicht überwältigt zu werden und sich innerlich zu einem vorschnellen Entschluss hinreißen zu lassen.

Nicht das Jetzt einer Entscheidung ist relevant, sondern die Stimmigkeit der Entscheidung! „Brüten“ Sie an der Entscheidungsreife so lange, bis Sie merken, dass sich die Entscheidung stimmig anfühlt, und dies kann bedeuten: Eine Entscheidung darf warten! 😉

Jetzt ENTSCHEIDE ich

Seit Jahrzehnten ist bekannt: Entscheidungsprozesse verlaufen in zwei verschiedenen Denkarten.
System Eins ist schnell, intuitiv und emotional, System Zwei langsam, logisch und bewusst. (Beide sind unter anderem beschrieben bei Daniel Kahnemann: Schnelles Denken, langsames Denken.) Die Intuition ist das unmittelbare, nicht auf Reflexion beruhende Erfassen eines Sachverhalts. Und die Ratio, der Verstand, ist die Fähigkeit, eine Problemstellung logisch zu durchdringen und daraus Schlüsse abzuleiten.

Intuition basiert auf Erfahrungswissen, das wir im Laufe des Lebens erworben haben. Unser Unbewusstes bewertet zügig und kommt zu schnelleren Urteilen als das rationale Denken. Das macht es für Alltagsentscheidungen so attraktiv, weil uns dadurch die Entschlüsse rasch zur Verfügung stehen.

Intuitive Eingebungen bergen auch Risiken:

    • Die Entschlüsse können in die Irre führen, weil sie vom Wunschdenken durch unsere gewohnten Verhaltensmuster gesteuert werden. Sie können sich durchaus richtig anfühlen, sind aber nicht zwangsläufig zielführend.
    • Die Intuition gilt nur für denjenigen Erfahrungsraum, in dem sie erworben ist. Deshalb ist es z.B. nicht ratsam, in fremdem Kulturraum auf Intuition zu vertrauen.
    • Intuition basiert auf gemachten Erfahrungen, ist sehr individuell und daher im betrieblichen Kontext oft nicht repräsentativ, denn sie ist abhängig vom Erfahrungshintergrund der Führungskraft oder des Mitarbeiters.

Intuitive Eingebungen sind demnach nur dann von guter Qualität, wenn vorher ein intensives Beschäftigen mit einer Problemlage stattgefunden hat.

Meine Tipps für einen integrativen Entscheidungspfad, um sowohl Intuition wie Logik im Entscheidungsprozess zu berücksichtigen:

  • Als Erstes das Problem bewusst eingrenzen und die zu entscheidende Situation mit logischem Denken intensiv beleuchten und analysieren.
  • Bewertungen vornehmen und über Entscheidungsvarianten nachdenken – insbesondere sich die Auswirkungen der Möglichkeiten vorstellen.
  • Anschließend Abstand gewinnen, sich Raum und Zeit geben, um die Ergebnisse auch durch die „intuitive Brille“ zu betrachten, d.h. auf innere Bilder und Körpergefühle hinsichtlich der Entscheidungsmöglichkeiten achten. Meist stellt sich nach einer gewissen Zeit eine innere Klarheit zu einer bestimmten Entscheidung ein.
  • Jetzt gilt es, die gewonnene Lösung nochmals rational-kritisch zu überprüfen: Hält der Entschluss den definierten Kriterien stand? Wird das Ziel erreicht?
  • Bei möglichem Dissens von Intuition und Logik sollte der Entscheidungsprozess neu aufgerollt werden.

Jetzt entscheide ich, heißt demnach auch: Ich treffe meine Entscheidungen im Zusammenwirken von Intuition und Verstand! 🙂

Jetzt entscheide ICH

Bei dieser Betonungsvariante ist das Subjekt – der Entscheidungsträger – im Fokus.

Sicher ist es wichtig, dass Sie in bestimmten Angelegenheiten selbst entscheiden – wie zum Beispiel, wenn Sie Ihre berufliche Laufbahn ändern möchten. Diesen Entschluss kann niemand außer Ihnen selbst fällen. Vielleicht haben Sie ja lange auf Unterstützung Ihrer Umgebung gehofft oder sogar unbewusst darauf gewartet, dass Ihnen jemand die Entscheidung abnimmt. Zum Beispiel Ihr Chef, indem er Ihnen selbst vorschlägt, sich auf eine andere Stelle zu bewerben. Nach langen Wochen der Ungewissheit, nehmen Sie das Zepter bewusst in die Hand und teilen mit: Die Entscheidung treffe jetzt ICH.

Könnte es zu dieser Entschiedenheit gekommen sein aufgrund von Unzufriedenheit? Nicht aufgrund der Klarheit eines Entscheidungsprozesses? Hat die Betonung des ICH eventuell einen trotzigen Beigeschmack? Vielleicht weil Sie der Ansicht sind, Sie hätten ein Recht dazu, ganz egoistisch zu denken? All dies ist zu reflektieren, wenn das ICH als Handelnder sich so plötzlich in den Vordergrund drängt.

Denn meines Erachtens ist es vorteilhafter, bei Entscheidungen das WIR einfließen zu lassen – zum Beispiel beim Entwickeln von Lösungen. Denn ob bei rein intuitiven Entscheidungen oder bei rationalen Entscheidungen – es besteht immer die Gefahr, falsch zu entscheiden, wenn man sich nur auf seine eigenen Erfahrungen und Bewertungen stützt.

WIR-Entscheidungen – also Entscheidungen, bei denen wichtige Akteure einbezogen worden sind (zum Beispiel bei unternehmerischen Problemstellungen), sind meist nachhaltiger und akzeptierter.
Aber auch beim Überdenken der Auswirkungen einer Entscheidung, sollte das Umfeld – also das WIR – mit in die Betrachtung gezogen werden: Wer ist betroffen von meiner Entscheidung und in welcher Weise? Wie kann ich zu einer Entscheidung gelangen, die für alle Beteiligten stimmig ist?

Auf längere Sicht gesehen, ist es besser: Wir entscheiden gemeinsam! 😀

Fazit

#jetzt_entscheide_ich: Alle Betonungen sind Facetten einer Entscheidung. Und bei komplexen Problemen müssen alle Aspekte beachtet werden: WIE komme ich zu einer Entscheidung? WANN treffe ich die Entscheidung? WER trifft eine Entscheidung und wer muss in der Auswirkung berücksichtigt werden?

Ein sicherer Entscheidungsprozess verläuft deshalb so:

    • Umreißen Sie das Problem.
    • Definieren Sie Kriterien, die für eine Lösung wichtig sind.
    • Geben Sie sich Zeit.
    • Reflektieren und diskutieren Sie im Dialog mit anderen und suchen Sie gemeinsam nach alternativen Lösungen – logisch und intuitiv.
    • Überlegen Sie die Risiken und Auswirkungen.

Und wenn Sie eine Entscheidung getroffen haben, probieren Sie die Umsetzung in kleinen Schritten aus. Überprüfen Sie nach einer gewissen Zeit die Auswirkungen Ihres Entschlusses und revidieren Sie ggf. das Ziel, die Kriterien oder die Umsetzungsschritte Ihrer Entscheidung.

Trotz allem: Fehler sind nicht zu vermeiden! Fehler müssen wir akzeptieren – auch bei scheinbar optimalen Entscheidungsprozessen. Vielleicht stimmt ja der Spruch auch bei Entscheidungen: „Durch Fehler wird man klug!“

(Dieser Artikel ist ein Beitrag zur Blogparade der BUSINESS LADYS / Ute Blindert)
 
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Herzlichen Dank!
 
 

Barbara Simonsen

Barbara Simonsen, MBA, ist Inhaberin von Simonsen Management mit den Schwerpunkten Führung und Karriere.
Sie unterstützt Führungskräfte, rasch handlungsfähig zu werden - insbesondere auf neuen Führungspositionen - und schwierige Führungssituation kompetent und fair zu meistern.
Zudem hilft sie als Karriereexpertin, den Karriereweg bzw. den Übergang des Karriereausstiegs stimmig zu gestalten.
Unternehmen steht sie als Moderatorin für Business-Großgruppen zur Seite - z.B. bei Changeprozessen oder zur Konfliktlösung.
Als Autorin hat sie „Die ersten 100 Tage als Führungskraft“ im managerSeminare Verlag als Blended Learning-Trainingskonzept veröffentlicht.